5 Tipps für authentische Geschichten (und ein Geheimtipp)

Wenn eine Geschichte überzeugend und lebendig klingen soll, ist es am besten, wenn wir alles darin und daran authentisch beschreiben können. Das heißt, dass wir uns an den meisten Orten, an denen die Geschichte spielt, auskennen sollten. Dass wir die Dinge, die die Protagonisten tun, auch probiert haben sollten. (Sofern das möglich ist. Ich habe natürlich noch keine Vampire gejagt…)

Hier sind meine 5 Tipps, wie Geschichten authentisch klingen:

Bildschirmfoto 2016-07-24 um 12.20.301. Die Wahl der Location
Sofern die Geschichte nicht in einer Fantasiewelt spielt: Städte wählen, in denen man sich auskennt. Für Urban Fantasy eignen sich große Städte wie London, New York, Paris, Wien. Wer noch nie in einer dieser Städte war, sollte sich nach einer anderen Location umsehen, die er besser kennt. Und wenn es dann eben nicht die Großstadt schlechthin ist, ist das auch nicht schlimm. Lieber über etwas schreiben, das man wirklich kennt als über etwas, das man sich nur angelesen hat. Dann wirken die Beschreibungen der Orte nicht nur authentischer, sondern es macht auch mehr Spaß, die Szenen zu (be)schreiben.

2. Nicht auf Klischees verlassen, sondern auf Erfahrungen 
Genau wie bei der Wahl des Orts gilt auch für die Lebensverhältnisse: Lieber selbst erlebt haben als aus zweiter Hand zitieren. Wenn ich nicht schon mehrmals im November in London gelebt hätte, könnte ich nur den Erzählungen glauben, dass es dort „immer regnet“. Es regnet natürlich nicht immer, aber fast immer sprüht es wirklich wie im Gewächshaus – und dann darf Julie in Geteiltes Blut dot Com auch immer mal wieder durch den Novemberregen hechten. Das ist dann kein Klischee, das bedient wird, sondern es ist eine authentische Beschreibung des Londoner Winterwetters.

3. Wissen, was man wie beschreibt
Dinge, die Leserinnen und Leser theoretisch kennen können, sollte man auch kennen. Beispiel: Als ich elf war, hat er Protagonist einer meiner (sehr kurzen) Geschichten eine Flasche Wein geleert. Ich hatte keine Ahnung, wie Wein schmeckt, noch, welcher Name was bedeutet. Grauburgunder? Spätburgunder? Hatte ich mal gehört, mehr aber auch nicht. Wie Wein schmeckt, wie es sich anfühlt, wenn er den Rachen hinunterläuft? Fehlanzeige – ich wusste es einfach nicht. Nach mehreren Anläufen, die Szene zu schreiben, habe ich den Teil gelöscht.

4. Alle Sinne mit erzählen lassen 
Wenn eine Partyszene beschrieben wird: Was passiert da, wie sehen die Leute aus? Ideal ist auch hier: Ausprobieren. Einfach mal am Wochenende in den nächsten Club gehen, und genau fühlen: Wie riecht es hier (Schweiß, Alkohol), ist es heiß oder nicht (stickige Luft, Klimaanlage), spüre ich die Bässe in meiner Brust wummern? Ist es voll, was machen die anderen Leute? Das sind Eindrücke, die man aufsaugen sollte. Und wenn man dann vor der Seite sitzt und sich denkt: Mist, da hab ich was vergessen!, dann kann man sich immer noch das Video einer Szene ansehen, die das ganze zeigt (Geheimtipp: Party aus The Great Gatsby).

5. Extremsituationen muss man erlebt haben
Wer Extremsituationen beschreiben will (Verlust der großen Liebe, Tod einer nahestehenden Person etc.), der kann das authentischer, wenn er es erlebt hat. Man kann nicht aus dem Blauen heraus beschreiben, wie das Herz physisch schmerzt, wenn man gerade von der Person verlassen wurde, von der man glaubte, mit ihr den Rest des Lebens zu verbringen. Oder wie es sich anfühlt, wenn man realisiert, dass der seit Kindheitstagen beste Freund sich so weit anders entwickelt hat, dass man sich nichts mehr zu sagen hat. Und man kann auch nicht beschreiben, was mit einem Körper passiert, wenn der Hauch des Lebens ihn verlässt, wenn man das nicht selbst gesehen hat. Leserinnen und Leser, die solche Situationen erlebt haben, lesen aus dem Text heraus, ob das Gefühl echt oder nur nacherzählt ist. (Hinweis: Natürlich muss man nicht genau das erlebt haben, was man zu beschreiben versucht. Aber es gelingt besser, wenn man sich emotional an etwas ähnlichem orientieren kann, das man erfahren hat. Man kann beispielsweise die Gefühle, die während eines großen Beziehungskrachs entstanden sind, kreativ verarbeiten in einer Trennungsszene, auch wenn man selbst niemals eine solche Trennung erlebt hat.)

Wie recherchiert ihr: Versucht ihr auch, das meiste erlebt zu haben, oder habt ihr die Erfahrung gemacht, dass auch vielen über Recherche und Anlesen funktioniert?

 

alexa

 

 

 

 

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4 Gedanken zu “5 Tipps für authentische Geschichten (und ein Geheimtipp)

  1. Bei High Fantasy muss anlesen und recherchieren in Bezug auf die Location funktionieren. Wobei das die Punkte 2 bis 5 keinesfalls negiert – wenn ich über einen Typen schreibe, der total auf halbtrockene Rotweine steht, dann sollte ich schon wissen, wovon er redet.

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