Für und über Teenager schreiben

Bild: Rob Tolomei / Creative Commons Lizenz

Für Teenager schreiben – wie machst du das eigentlich? Diese Frage bekomme ich oft zu hören, wenn ich erzähle, dass ich Jugendbücher schreibe. Meine Antwort? Ich tue es einfach! Teenager sind keine exotischen Wesen, die man gänzlich anders anfassen muss als andere Menschen. Abgesehen davon, dass es im Young Adult (ich bevorzuge diesen Begriff, weil anders als im Begriff Jugendbuch das Wort Adult, also Erwachsener enthalten ist) nicht unbedingt immer darum geht, für Teenager zu schreiben. Vielmehr schreibt man Geschichten, in denen Teenager die Hauptrollen spielen, und die von Erwachsenen und Teenagern gleichermaßen gelesen werden.

Trotzdem versuche ich diese Leitsätze beim Schreiben immer zu befolgen:

Nicht erklären und belehren. Teenager, sowohl die Figuren als auch die Leser/innen dieses Alters, müssen nicht von mir erklärt bekommen, wie die Welt funktioniert. Das Buch, das ich schreibe, soll eine Reise sein, auf der ich sie mitnehme – und damit ist keine Bildungsreise gemeint. Auch erhobene Zeigefinger sind fehl am Platz. Es soll nicht darum gehen, etwas beizubringen. Lektionen über Mut, Freundschaft oder Liebe kommen ganz von allein an, wenn die Figuren sie durchleben und meistern.

Nicht für dumm verkaufen. Grundsätzlich sollte man als Schriftsteller davon ausgehen, dass die Leser mindestens ebenso intelligent sind wie man selbst – oder intelligenter! Gerade wer im Young Adult unterwegs ist, erliegt schnell der Versuchung zu glauben, dass er/sie als erwachsene/r Schriftsteller/in klüger ist als Teenager, die das Buch lesen. Das ist Unsinn und den sollte man sich schnellstmöglich aus dem Kopf schlagen.

Realistisch sein. Trotz allem gibt es bestimmte Dinge, die Teenager nicht wissen können, einfach weil ihnen die Lebenserfahrung fehlt. Deshalb sollten minderjährige Figuren diesen Erfahrungshorizont ebenfalls nicht haben, sonst wird es schnell unrealistisch. Dabei bleibt zu beachten, dass nicht jede Teenagerphase gleich ist. Man darf den Figuren also ruhig auch etwas zumuten bzw. zutrauen.

Die Vorbildfunktion nicht vergessen. Denn trotz allem – wir wollen nicht belehren oder erziehen – werden unsere Bücher von Menschen gelesen, die teils noch sehr jung sind. Die Art, wie ich zum Beispiel Liebe oder Beziehungen in meinen Büchern darstelle, kann auf eine vierzehnjährige Leserin einen starken Einfluss haben. Hier ist Fingerspitzengefühl gefordert bzw. man sollte sich fragen, ob es Grenzen des Vertretbaren gibt.

Ein gutes Buch ist ein gutes Buch ist ein gutes Buch. Letzten Endes ist es fast egal, ob die Protagonisten fünfzehn, fünfzig oder fünfundneunzig sind. Ein Buch muss über Plot, Figuren, Sprache und Setting überzeugen – und das gilt für jedes Genre und jede Kategorie.

Schreibt und/oder lest ihr Young Adult? Was sind eure Erfahrungen?

Alena


4 Gedanken zu “Für und über Teenager schreiben

  1. Ich versuche mich selbst an Young Adult, vor allem weil ich die Bücher selbst gern lese. Klar denke ich mir bei einigen Passagen oder ganzen Werken: „Oh mein Gott, echt jetzt?“ Da ist dann auch oft die typische Mary Sue unterwegs. Irgendwann bin ich von meinem eigentlichen Genre – Fantasy – dann zum Young Adult gewechselt bzw. mische beides, denn ich habe auch ganz klar den Anspruch, es besser zu machen als andere. Klingt vielleicht blöd, aber genau wie du sagtest, sollte man seine Leser nicht für blöd verkaufen oder ihnen seltsame Lebensmodelle als Ideal verkaufen. Tun leider viele, wie ich festgestellt habe.

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